18 Jahre Die Freiheitlichen in Südtirol
Foto: 18 Jahre Die Freiheitlichen in Südtirol
Bozen - 1989 zeichnete sich in Südtirol eine historische Wende ab. In
jenem Jahr übernahm mit Stephan Gutweniger, Pius Leitner, Christian
Waldner und P. P. Rainer eine jüngere Generation, die zudem befreundet
und eng miteinander verbunden war, die Führung von zwei wichtigen
Organisationen: die des Südtiroler Schützenbundes und der
Jugendorganisation der SVP. Bereits im selben Jahr begann diese jüngere
Generation eine Umorientierung und Weiterentwicklung der
volkstumspolitischen Zielsetzungen. Dass diese Entwicklung parallel mit
den welthistorischen Umwälzungen und der deutschen Wiedervereinigung
erfolgte, ist sicher kein Zufall.
Da im Vaterland Österreich ÖVP und SPÖ letztendlich immer das taten,
was die SVP wollte, ergab sich automatisch ein immer größeres
Nahverhältnis zur FPÖ, die ihre Südtirol-Politik an den Vorschlägen der
aufstrebenden jungen Südtiroler ausrichtete. Letztlich fand schließlich
nicht nur eine Deckungsgleichheit der Anschauungen statt, sondern die
direkte und aktive Gestaltung der FPÖ - Südtirolpolitik durch die
Parteijugend der SVP. Die JG hatte im Oktober 1990 erstmals Jörg Haider
zu einem Referat nach Bozen geladen, unter Applaus aller SVP-Granden,
die begeistert in der ersten Reihe des Grieser Kulturheimes Haider
zujubelten (von Brugger über Frick, von Peterlini über Sepp Mayr usw.)
und eine entsprechend wohlwollende Berichterstattung durch die
"Dolomiten". Allein die SVP-Linke polarisierte deshalb immer mehr, da
ihr die rechte Parteijugend (immerhin vorher in den 80er Jahren eine
Arbeitnehmer - Domäne) ohnehin ein Dorn im Auge war.
Mit dem 15. September 1991 wurde der große Wendepunkt auch nach außen
deutlich sichtbar. Am Brenner wurde eine Resolution verabschiedet, die
noch von der Region Tirol spricht, aber bereits alles enthielt, was die
heutige „Europaregion Tirol“ beinhaltet.
SVP-intern stieß diese Gesamttiroler Politik der Jugendorganisation
jedoch gerade mit Blick auf den Paketabschluss auf immer stärkeren
Widerstand. Im Jänner 1992 war im SVP-Parteiausschuss die Entscheidung
für den Paketabschluss gefallen. Es war klar, dass dieser auf dem
entsprechenden Parteitag nicht mehr verhindert werden konnte. So
entschlossen sich mehrere Mitstreiter für einen neuen Weg und für den
Austritt aus der SVP. Bei Pius Leitner zu Hause plante die
"Vierer-Bande" (Pius Leitner, Stephan Gutweniger, Christian Waldner und
Peter Paul Rainer) bereits Szenarien eines möglichst spektakulären
Abgangs aus der SVP. Doch Christian Waldner ließ sich von seinen
persönlichen Freunden überreden, nochmals zu kandidieren.
Auf der folgenden Landesjugendversammlung erreichte keiner der drei
Kandidaten (Waldner, Dorfer und Ladinser) im ersten Wahlgang die
absolute Mehrheit. Die beiden stärksten Kandidaten gingen in die
Stichwahl. Damit Waldner die nötigen Stimmen seines Hausbezirkes
fehlten, hatte Ladinser die Delegierten eingeschworen, an der Stichwahl
nicht teilzunehmen, was natürlich primär zu Lasten Waldners ging. Er
unterlag in der Stichwahl gegen Heinrich Dorfer mit 48 Prozent zu 52
Prozent.
Nach dieser Niederlage in der JG bildete sich eine informelle Gruppe
von rund 50 bis 60 Mitarbeitern und Funktionäre in der JG. Diese
informelle Gruppe („Die Durchsichtigen“) traf sich ab April regelmäßig,
um über die weiteren Schritte zu beraten. Dabei ging es bereits konkret
um die Frage einer Parteineugründung.
Am 30. Mai 1992, als in Meran die SVP-Landesversammlung über die
Bühne ging, war Meischberger als Vertreter der FPÖ anwesend. Am 3l. Mai
war Jörg Haider Festredner anlässlich der Gründung des neuen
Schützenbezirkes Süd- Tiroler Unterland in Tramin. Pius Leitner, damals
Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes, gab öffentlich seinen
Austritt aus der SVP bekannt. An jenem Wochenende fiel auch die
Entscheidung zur Gründung der Partei, mit der Zustimmung Haiders.
Während das volkstumspolitische Lager zehn Jahre lang einseitig auf
die Forderung der Selbstbestimmung beschränkt in einer Marginalisierung
und Isolation lebte, sollten die Freiheitlichen ein vollkommen neues
Konzept zur Grundlage haben. Sie sollten die erste volkstumspolitische
Partei werden, die sämtliche Themenbereiche besetzte ohne den
volkstumspolitischen Kern aufzugeben. Damit sollten neue Wählerschichten
angesprochen werden, die eine Alternative suchten. Es galt den Bürgern
die Schwächen der SVP auch in anderen Bereichen und nicht nur in der
Südtirolpolitik aufzuzeigen. Vielen Bürgern war klar geworden, dass die
SVP auch in anderen Bereichen nicht ihre Interessen vertritt (vom
Postenschacher, Parteibuchwirtschaft, Bonzenallmacht bis hin zum letzten
Gesuch in der Gemeinde, jahrelange Misswirtschaft in der Verwaltung der
öffentlichen Gelder - vor allem im Sozialbereich usw.). So stand fest,
dass die Freiheitlichen zusätzlich zur Union für Südtirol entstehen
würden. Viele hätten es lieber anders gehabt. Es galt vom ersten
Augenblick an zu zeigen, dass die neue Bewegung anders war. Am 7.
Dezember 1992 erfolgte – bei wildem Schneetreiben - die Gründung der
Südtiroler Freiheitlichen mit anschließendem Gründungsfest am
Reichrieglerhof.
Zuvor waren SVP-Obmann Brugger, LH Durnwalder, SVP-Landessekretär
Gallmetzer und das SVP-Präsidiumsmitglied und Sprecher der
Bezirksobmänner Franz Griesmair nach Kematen bei Innsbruck gepilgert, wo
im Haus von Walter Meischberger ein Treffen mit Jörg Haider stattfand.
Die SVP-Granden beknieten ihn, der Neugründung die Unterstützung zu
versagen und beschworen die Einheit der traditionellen
Nationalratsparteien in der Südtirolpolitik, doch vergebens. Am 7.
Dezember 1992 war Haider mit Generalsekretär Meischberger und
Bundesgeschäftsführer Rumpold in Bozen und demonstrierte damit deutlich
sichtbar die Unterstützung der neuen Partei.
Parteiprogramm und Statuten wurden ohne jedwede Beeinflussung von
Seiten der FPÖ erarbeitet. Diesbezüglich gab es in den vergangenen 18
Jahren zu keinem Zeitpunkt irgendeine Form der Beeinflussung der
politischen Linie der Freiheitlichen. Dies gilt bis heute ungebrochen.
Die Südtiroler Freiheitlichen erregten in nur elf Monaten zwischen
ihrer Gründung und den Landtagswahlen 1993 großes Aufsehen. Die Gründung
der Freiheitlichen hatte das politische Klima insgesamt aufgebrochen,
die Nichtwahl der SVP enttabuisiert.
Neben der klaren Absicht, in der Volkstumspolitik und in der Politik
gegenüber dem Vaterland Österreich konkrete Signale zu setzen, wurde die
Grundidee vertreten, dass sich in Südtirol in der Nachpaketära eine
politische Parteienlandschaft mitteleuropäischer Prägung entwickeln
sollte. Es war von Anfang an unser Ziel, einerseits eine echte
Alternative zur SVP zu bilden, andererseits haben wir stets betont, dass
es zur Verwirklichung der Gesamtinteressen des Landes einen
parteiübergreifenden Konsens braucht. Das heißt also: einerseits
Kontrolle der Landesverwaltung (Macht braucht Kontrolle!), andererseits
ein abgesprochenes Vorgehen gegenüber Rom und Brüssel.
Die Freiheitlichen haben sich bei den Landtagswahlen im November 1993
erstmals dem Wähler gestellt und auf Anhieb 6,1 % der Wählerstimmen und
zwei Landtagsabgeordnete erhalten. Einen solchen Erfolg konnte bisher
keine Oppositionspartei in Südtirol erzielen. Wie sehr wir den Nerv der
Bevölkerung getroffen haben, zeigt, dass immer mehr politische
Gruppierungen freiheitliche Themen aufgreifen.
Die Südtiroler Freiheitlichen hatten in ihrer kurzen Geschichte auch
große Turbulenzen zu überwinden. So wurde der Gründungsobmann Christian
Waldner im Frühjahr 1995 wegen wiederholt schweren parteischädigenden
Verhaltens aus der Partei ausgeschlossen. Bereits im Oktober 1994 wurde
die Führung der Partei an Pius Leitner übertragen, der mit Waldner 1993
in den Landtag eingezogen war. Leitner ist heute mit 16 Jahren
dienstältester Parteivorsitzender in Südtirol.
Als im Februar 1997 Christian Waldner ermordet und dafür ein Mitglied
der Freiheitlichen verhaftet wurde, gerieten die Freiheitlichen stark
unter Druck. Erst zwei Gerichtsurteile brachten klar zum Ausdruck, dass
die Freiheitlichen mit der Angelegenheit nicht das Geringste zu tun
hatten. Dieses Ereignis hat wesentlich dazu beigetragen, dass die
Freiheitlichen bei den Landtagswahlen 1998 einen herben Stimmenverlust
verzeichnen mussten und nur mehr mit einem Mandatar (Pius Leitner) im
Landtag vertreten waren. Im Frühjahr 1999 erfolgte ein Neustart, im
Herbst 2001erfolgte mit Ulli Mair ein Wechsel im Generalsekretariat. Die
Auswirkungen einer positiven Aufbauarbeit machten sich bei den
Landtagswahlen 2003 bemerkbar, indem wieder zwei Abgeordnete in den
Landtag einzogen (Pius Leitner und Ulli Mair). Dieser Schub und eine
folgende intensive Basisarbeit, eine konstruktive und umfangreiche
Landtagsarbeit, die Gründung der Freiheitlichen Jugend und der Einbau
wertvoller Mitarbeiter und Funktionäre trugen dazu bei, dass die
Freiheitlichen bei den Landtagswahlen 2008 auf 14,3% der Stimmen kamen
und mit 5 Mandataren in den Landtag einzogen. Neben den bisherigen
Abgeordneten Pius Leitner und Ulli Mair schafften Roland Tinkhauser,
Sigmar Stocker und Thomas Egger (ehemaliger SVP-Bürgermeister von
Sterzing) den Sprung in den Landtag. Sensationell war das
Vorzugsstimmenergebnis für die beiden Spitzenkandidaten. Pius Leitner
erhielt mit über 32.000 persönliche Vorzugstimmen ein Traumergebnis.
Lediglich Landeshauptmann Durnwalder und Landesrat Berger konnten ihn
übertreffen. Beinahe noch bemerkenswerter war das Ergebnis von Ulli
Mair. Sie war die meist gewählte Frau und erzielte mit 27.500
persönlichen Vorzugsstimmen von allen Kandidaten das viertbeste
Ergebnis.
Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im Frühjahr 2008 zeichnete sich
der rasante Aufschwung der Freiheitlichen bereits ab. Obwohl die
Freiheitlichen aufgrund des geltenden Wahlrechtes keine Chance auf einen
Parlamentssitz in Rom hatten, was der Bevölkerung auch bewusst war,
erzielten sie mit rund 28.000 Stimmen ein hervorragendes Ergebnis. Bei
den Landtagswahlen wenige Monate später waren es dann über 43.000
Stimmen.
Die Ziele haben nach wie vor volle Gültigkeit, wenn auch stets neue
dazukommen. Heute wird von niemandem bestritten, dass wir die
Voraussetzungen für einen demokratischen Aufbruch in Südtirol geschaffen
haben. Nachdem unsere Leute aus allen gesellschaftlichen Schichten
kommen, werden auch sämtliche aktuellen Themen behandelt.
Die Südtiroler Freiheitlichen verstehen sich nicht so sehr als eine
Mitgliederpartei, sondern viel mehr als eine Bürgerrechtsbewegung.
Trotzdem sollen künftig die Organisationsstrukturen ausgebaut werden.
Die Gemeinderatswahlen im Frühjahr 2010 waren die Nagelprobe für die
Etablierung vor Ort. Diese Chance wurde genutzt und von bisher 13
Gemeinden bzw. 20 Gemeinderäten konnte man auf 56 Gemeinden und rund 170
Gemeinderäte aufstocken. Stiegen die Freiheitlichen bei den
Landtagswahlen 2008 zur zweiten politischen Kraft auf Landsebene auf,
wurden sie bei den Gemeinderatswahlen 2010 auch zweitstärkste Kraft in
den Gemeinden und zu einer konkreten Alternative zur SVP.
Wir Freiheitlichen stehen nach wie vor zur Tiroler Landeseinheit. Wir
sind davon überzeugt, dass diese künftig eher dadurch erreicht werden
kann, wenn die Italiener in Südtirol eingebunden werden. Nicht im Sinne
einer Vermischung, sondern im Sinne einer aktiven Teilhabe. Es muss uns
allen klar sein, dass im Rahmen der heutigen EU in Südtirol kein Projekt
gegen den Willen einer Volksgruppe durchgesetzt werden kann. Niemand
kann von uns Südtirolern verlangen, dass wir Italiener werden und es
darf nie vergessen werden, dass die Südtiroler nur deshalb eine
Autonomie haben, weil sie eben keine Italiener sind. Können wir von den
Italienern der dritten und vierten Generation verlangen, dass sie
Österreicher werden? Unter diesem Gesichtspunkt sehen wir die Idee eines
Freistaates die einzig mögliche Vision, mittelfristig zur Landeseinheit
zu gelangen. Das ist keine Absage an die Selbstbestimmung, sondern der
Versuch, diese – nach jahrzehntelangen Beschwörungen - einmal auch
umsetzen zu können.
Freistaat Adler
Dieser Adler wurde aus einem Tafelbild entnommen, auf welchem die
Tiroler Herzogin Maragrete Maultasch mit den Wappen von Kärnten, Bayern
und Tirol zu sehen ist. Entstanden soll das Bild um 1510/20 (also vor
500 Jahren) sein und Auftraggeber war vermutlich Kaiser Maximilian.
- Wir haben diesen Tiroler Adler gewählt, weil
- Südtirol historisch und geschichtlich ein Teil Tirols ist
- und weil derzeit auch die Europaregion Tirol parallel wachsen soll
und dieser Adler sehr gut auch zu diesem Projekt passt. Für uns ist die
Schaffung der Europaregion Tirol kein Widerspruch zum Freistaat
Südtirol. im Gegenteil: der Freistaat Südtirol soll und wird Teil der
Europaregion Tirol sein.
Südtirol-Migranten-Einwanderungsgesetz: Mair: "Nach jahrelanger Ankündigung wollen wir Taten sehen"
Einwanderung
-



0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen